Zwischen Individualismus und Egotismus — astrologische Hinweise auf einen zeitgemäßen Umgang mit unserem Ego

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Individualismus wird immer mehr zur treibenden Kraft in der Gestaltung unserer Gesellschaft. Heute geht es nicht mehr darum, zerrüttete Städte Hand in Hand nach dem Krieg wieder aufzubauen, es dreht sich in unseren Köpfen vielmehr darum, etwas Eigenes, von anderen Abgegrenztes, entstehen zu lassen. 

 

Zum Beispiel in einer virtuellen Welt möglichst viele Likes zu sammeln. Game time. Natürlich gilt dies nicht richtungsweisend für jeden Menschen, aber im Großen und Ganzen, in unserer Gesellschaft, herrscht dieser Trend. Dank des Internets, westlichen Wohlstands und Stabilität, geschieht es eben so, dass der einzelne Mensch immer mehr in den Vordergrund rückt und Gemeinschaft nicht unbedingt einen Schritt zurück tritt, sich aber auf Grund dessen verändert. 

 

Dies ist keineswegs schlecht, im Gegenteil. Je mehr wir uns auf uns selbst konzentrieren, desto eher finden wir die passenden Bausteine um unseren wirkungsvollen Beitrag in der Mitgestaltung einer guten Gesellschaft zu leisten. Eine Schlüsselrolle dafür spielt unser Ego. 

 

Da Individualismus auf dem Weg zu einer guten Gemeinschaft aber durchaus zu Ego- und Machtspielen führen kann, die eher verwirren als bereichern, ist der individuelle, richtige Umgang mit unserem Ego wichtig. 

 

Zwischen Ego Ausrastern und Ego Einschüchterung, bietet die Astrologie persönliche Hinweise für diesen richtigen Umgang.

 

Überhaupt über solche Themen nachzudenken, oder mich zu entscheiden Astrologie zu studieren, muss ich auf meine sechsjährige Auslandsreise schieben. Dort habe ich mich langsam aber sicher von allem verabschiedet, was ich jemals über mich selbst wusste, oder wer ich dachte zu sein. Das klingt jetzt ultra spirituell und nur für die ganz Vodoo-Begeisterten, aber im Endeffekt weiß jeder worum es geht, wenn man sich seine Identität mal von einem etwas entfernteren Standpunkt ansieht. Wir wissen, dass wir natürlich durch unser Elternhaus, unsere Freunde, unser Heimatland, unsere Kultur ganz bestimmte Identitätsbausteine mitbekommen. Bewusst wird einem dies aber erst, wenn man sich einmal radikal von allem verabschiedet. Manche machen dies am Wochenende, andere entscheiden sich, mehr Zeit mit dem Abschied zu verbringen und sich darin neu zu finden.

 

Besonders nützlich dafür sind, wie in meinem Fall, längere Auslandsaufenthalte. Fernab von aller Alltagsroutine und festgefahrenen Freundschaften und Afterwork-Ritualen, eröffnet einem das Ausland ganz neue Perspektiven auf das eigene Leben. Das ist zumeist der Grund, warum wir ins Ausland fahren, um vom Alltag Abstand zu erfahren. Je länger wir uns im Ausland aufhalten, desto größer wird der Abstand zum Alltag und zu uns. Reisen eigenen sich also bestens dafür, sich von seiner Heimatidentität für eine Weile zu verabschieden, und sein Ego dabei zu verlieren, oder zumindest für eine Weile Außen vor zu lassen.  

 

Touristen à la Ballermann werfen ihre Identität mit Handkuss aus dem Fenster, und stoßen kräftig auf ihren Identitäts- und Kontrollverlust an, Touristen à la Yoga entfernen sich von ihrer Identität durch Asanas, Atmen und Meditation. Beide Wege führen zum Ziel; man legt seine Schale für eine Weile ab. Ob eine Methode gesünder als die andere ist, lässt sich zweifellos beantworten, aber warum haben wir das Bedürfnis unsere Identität abzulegen? Ist es, weil unsere Identität so schwer ist und uns herunter zieht? Ist es, weil es schlecht ist, ein Ego zu haben und wir besser täten, mit allen Saufkumpanen für immer Arm in Arm zu liegen und alle fellow Yogis in unser Herz zu schließen? Wäre das eine perfekte, heile Welt, eine gute Gesellschaft? Sind wir schlechte Menschen, wenn wir ein Ego haben? Warum wollen wir unsere Identität und unser Ego loswerden? Weil es schlecht ist, ein Ego zu haben?

 

Ich denke, der vermeintlich schlechte Ruf des Egos ist sehr weit verbreitet. Unsere Gesellschaft assoziiert das Ego mit geizigem, selbstherrlichem Verhalten, das bloß darauf zielt, persönliche Vorteile ohne Rücksicht auf Verluste zu erreichen. Aber ist das Ego wirklich so ein Bad Boy? Und kann man es ein für alle mal loswerden? Und lebt man dadurch besser und trägt zu einer besseren Gesellschaft bei?

 

Heute weiß ich, dass man ein Ego braucht um als Individuum zu funktionieren und so ein funktionierendes Teilstück einer funktionierenden Gesellschaft darzustellen. Damals im Ausland für längere Zeit überkam mich nach und nach allerdings die Überzeugung, dass ich ein besserer und glücklicherer Mensch werde, wenn ich mein Ego ablege. 

 

Besonders durch den engen Kontakt mit der Natur, dem Erlernen des Surfen und einer Beziehung, die von mir vor allen Dingen Unterordnung forderte und somit keinen Platz für ein funktionierendes Ego ließ, kam es dazu, dass ich mich immer mehr von meinem Ego entfernte. Natürlich kam es manchmal hervor und wollte den Macker mit Shortboard makieren, aber im Endeffekt hat sich mit jedem Sonnenuntergang neben der Sonne auch mein Ego im Meer aufgelöst. Ich wusste irgendwann nicht mehr wirklich, wer ich bin. Das mag komisch klingen, aber ich hatte auch gar nicht mehr das Bedürfnis, jemand zu sein. Das Leben hat sich so viel besser angefühlt, ohne definierte Identität, Verpflichtung, Richtung, festen Beruf oder Studium. Ich schwebte wie ein Vogel im Kosmos und es fühlte sich gut an. Zumindest bis mein Höhenflug irgendwann endete.

 

Vor meiner Bruchlandung erreichte ich allerdings noch den für mich absoluten Höhepunkt meines Ego-Verlusts, für den ich bis heute dankbar bin.

 

Ich ging einem kollektivem Traum nach und wurde mit einer individuellen Einsicht belohnt. Hollywood rief meinen Namen und ich antwortete mit einem Flugticket von Bali nach Kalifornien auf den amerikanischen Traum. Offensichtliches Opfer zu vieler Hollywood Filme, dachte ich, ich könnte meinen Traum als Tänzerin in LA wahr werden lassen. Ich fühlte mich beflügelt ohne alte Identität und befand mich in einer Art identitätslosem Zwischenzustand, der es mir ermöglichte, Selbstzweifel nicht wirklich aufkommen zu lassen. Ich sah mich nicht mehr als bestimmte, begrenzte Person, sondern vielmehr als Teil von etwas Größerem. Und als Teil dessen, dachte ich, dass die Welt nur so auf mich wartete.

 

Anstatt, dass sie auf mich wartete, stellte sich heraus, dass sie mir bereits Lichtjahre voraus war. Ich sah die Realität der Tänzer in Amerika und fühlte mich schnell fehl am Platz. Ich suchte zwar alle Tanzstudios in North Hollywood heraus, besuchte sie und nahm an Unterrichtsstunden teil, merkte dabei aber schnell, dass ich meine gesunden Selbstzweifel doch besser hätte mitnehmen sollen. Es war einfach sehr schwierig mitzuhalten und die Neugier und Aufregung, die mich nach Amerika brachten, wandelten sich schnell in Frustration und Enttäuschung um. Ich merkte, dass ich das, was mir das Tanzen eigentlich bedeutet, Selbstausdruck und Freude, hier nicht finde. Ich musste also woanders suchen. 

 

Da kam Yoga aus seinem Versteck gekrochen und ich wandte mich dem Tanzen ab, um mich diesem ' Sport ' zu widmen. Zuvor auf Bali hatte ich bereits eine Unterrichtsstunde besucht, jetzt in LA meldete ich mich zu einem Anfänger Intensiv Kurs an. 

 

Wir waren eine kleine Gruppe von vier Personen, die sich in einem ganz entspannten Kreis dazu entschlossen hatten, den Trendsport von Grund auf kennenzulernen. Bevor wir in irgendwelche Posen sprangen, besprachen wir die Philosophie des Yogas. Die Atmosphäre war sehr angenehm, relaxed und authentisch. Nach dem hektischen, wettbewerbsstrebenden Tanzen, fühlte ich mich hier zum ersten Mal wirklich in Kalifornien angekommen.

 

Alleine in Amerika, getrieben von der Idee einen Traum zu leben, sprang ich extrem gut auf die Essenz des Yogas an. Ich war neugierig, offen und hungrig auf das Leben und neues Wissen. Der Kurs erfüllte mich in dem Maße, wie ich es mir vom Tanzen erhofft hatte. 

 

An einem Termin war ich die einzige, die zum Kurs kam. Es war in dem Kurs immer so, dass wir alleine übten und unser Lehrer uns dann korrigierte, der sogenannte Mysore Stil zu unterrichten. Da dieses Mal niemand außer mir dort war, sollte ich die Übungen alleine durchgehen. Anstatt mich zu beobachten um meine Posen zu korrigieren, schnappte sich mein Lehrer ein kleines Heft, schwang sich in eine mir unmögliche Schneidersitz-Position und began daraus vorzulesen. 

 

Ich machte also meinen Yoga Flow und mein Lehrer redete die ganze Zeit vor sich hin, auf mich ein, in einer Sprache, die ich nicht verstand. Sanskrit. Erst war es etwas befremdlich und ich kam mir merkwürdig vor, aber je mehr ich mich einfach auf meinen Atem und meine Posen konzentrierte, desto schneller gelang es mir, die merkwürdige Situation auszublenden. Nicht nur das, mein Atem began sich mit den Worten der fremden Sprache in einen Rhythmus zu begeben. 

 

Ich verbrachte ungefähr eine halbe Stunde mit Atmen, Posen und halbherzigem Zuhören. Die Worte, die in eine Melodie verschwammen, verstand ich nicht, aber je weniger ich bewusst hinhörte, desto eher nahm ein anderer Teil von mir die Worte bewusst wahr.

 

Die Mischung aus Befremdlichkeit, meinem eigenem Atem, der Tiefe der Worte, die mein Verstand nicht begriff, aber eine andere Ebene in mir und der Energie meines Lehrer, brachte mich in einen ganz anderen Zustand. Es war, als hätte ich etwas verstanden, bevor mein Verstand die Chance hatte, es zu begreifen. 

 

Als meine Unterrichtsstunde zu Ende war, wanderte ich etwas benommen zur Toilette. Dort erhaschte ich einen Blick meines Spiegelbilds und konnte nicht anders, als länger hinzuschauen. Ich schaute in den Spiegel, und als ich etwas genauer hinstarrte, began sich mein Spiegelbild zu verändern. Ich sah mich doppelt und verzerrt. Ich blickte genauer hin, schaute mir tiefer in die Augen und alles verschwamm. Mein Spiegelbild begann sich kaleidoskopisch zu verändern. Es war als stünde ich unter Drogeneinfluss. Es war mehr als merkwürdig, aber auch so interessant, dass ich nicht aufhören wollte, mich anzusehen. Ich versuchte, zu begreifen, was ich sah und verstand in diesem Moment, etwas für mich bis heute absolut Wesentliches. Das war der Moment, als mir bewusst wurde, dass hinter meinem Körper noch so viel mehr steckt, als ich von Tag zu Tag sehe. Ich merkte nicht nur, dass ich mehr als nur ein Körper bin, ich sah es im Spiegel vor mir. 

 

Ich erlebte Transzendenz. Ich will damit nicht sagen, dass ein ganz toller, spiritueller Hecht bin, sondern darauf hinweisen, dass jeder von uns solche Erfahrungen bestimmt bereits gemacht hat. 

 

Ob es bei einem Sonnenuntergang passiert, beim Blick in die Augen deiner Liebsten, an einem Tag, der zu viele Zufälle in sich trägt, um normaler Alltag zu sein, wenn der erste Schnee fällt, wenn du und andere Leute gemeinsam etwas erreichen, wo auch immer - Erfahrungen, bei der die Welt ganz still ist und man sich wie etwas Größeres als nur ein Körper fühlt, quasi wie Teil Gottes in Frankreich, ist keine Seltenheit. 

 

Diese Erfahrung hat mein Herz persönlich mit so viel Freude geflutet, dass ich es kaum glauben konnte. Die Perspektive auf mein Leben änderte sich schlagartig. Zuvor hatte ich zwar schon Erfahrungen gemacht, die mich in diese Richtung leiteten, aber noch nie war es so glasklar und vor allen Dingen sichtbar, in meinem eigenen Spiegelbild. Ich wusste, dass es in der Geschäftigkeit des Lebens ein kleines, unbedeutendes Erlebnis war und daher war mir umso mehr bewusst, dass ich es festhalten wollte.

 

Ich wusste, dass es ein Leichtes sein kann, solche Erfahrungen zu vergessen oder zumindest als nicht so besonders abzustempeln. Aber das wollte ich nicht. Ich wusste, dass ich auf etwas gestoßen bin, dass mir bis dato in meinem Leben gefehlt hatte und ich wollte das unter keinen Umständen wieder verlieren. Ich wollte diese transzendente Erfahrung mit in meine Realität bringen. Ich wollte sie festhalten und nicht verlieren. Ich wollte sie immer ernst nehmen, ich wollte mir sie nicht nehmen lassen und ich wollte mein Leben danach leben. Logisch war es für mich dann, mein Gesicht zu tätowieren.

 

Als ich dann zurück nach Deutschland kam mit frischem Gesichtstattoo waren weniger Leute begeistert. Es viel mir so schwer, das, was ich erlebt hatte, aufrecht zu erhalten und positiv in Erinnerung zu behalten. Ich fühlte mich sehr unverstanden und hatte eine schwierige Zeit, damit zurecht zu kommen. Deswegen flog ich, sobald ich meine Reisekasse aufgefüllt hatte, wieder zurück nach Bali. Ich konnte mich meinem Zuhause nicht wirklich stellen, bzw. wusste nicht, welche Person ich zu Hause war.

 

Auf der einen Seite hatte ich das dringende Bedürfnis, Teil der Gesellschaft zu sein, in die Realität Deutschlands zu passen, auf der anderen Seite wusste ich nicht, wie. Für mich war das ein Dilemma, weil ich das, was mir so viel Freude bereitete und was so viel Wahrheit in mir freisetzte, nicht in einem deutschen Kontext umsetzbar sah. Wenn ich heute daran denke, wird mein Herz immer noch sehr schwer.

 

Obwohl ich während und nach meiner Auslandserfahrung ein paar Schwierigkeiten hatte, bin ich froh, dass ich alle Höhen und Tiefen erlebt habe. Dadurch, dass ich überhaupt die Zeit und die Möglichkeit hatte, mein Ego und meine Identität für längere Zeit abzulegen, habe ich etwas für mich persönlich immens Wichtiges und Großartiges erreicht. Ich bin froh, dass ich Dinge erlebt habe, die mich mein Ego haben los lassen, denn mit festgefahrener Identität wäre ich niemals einfach alleine nach Amerika gegangen, einfach um einen Traum zu verfolgen, und hätte daher niemals einen Meilenstein meiner Entwicklung erreicht. Mein Ego und meine Identität loszulassen, hat aus mir eine stärkere Person gemacht. Tipps, wie sie der weltbekannte Boxtrainer Martin Snow gibt, würde ich also sofort unterschreiben:

 

„Welche Identität du auch immer hast, wer auch immer du warst oder wer du denkst zu sein, muss sterben, denn wenn diese Person in den Ring geht, wird sie nicht aus dem Ring herauskommen. Wenn ich in den Ring gehe, weiß ich nicht, wer ich bin. Ich weiß wirklich nicht, wer ich bin. Alles, was ich sehe, ist ein Kerl, der mir meinen Kopf abnehmen will und alles, worauf ich mich konzentrieren kann, ist Angriff. Das ist alles. Ich habe kein Ego. "

 

Ja, ich denke, man kann Großes erreichen, wenn man sein Ego und seine Identität fallen lässt, aber ich denke, dass dies nur temporär gilt. Denn, auch wenn sich das Leben manchmal wie ein Boxring anfühlt, ein Boxring ist nicht das echte Leben. Das echte Leben verlangt Identität und ein funktionierendes Ego.

 

Um es mit den Worten des Astrologen Steven Forrest’s zu sagen:

 

“Jeder Mensch stellt ein Netz aus widersprüchlichen Gefühlen dar. Wir werden von Erinnerungen und Ahnungen geplagt, von Traumvorstellungen gelockt. Wir lieben. Wir fürchten. Wir erschaffen. Wir wissen um die Tragödien des Lebens. Wenn uns der Verkehrspolizist anhält, weil wir in der Tempo-Dreißig-Zone Fünfzig gefahren sind, verlangt er nicht, dass wir ihm all dies vermitteln. Um in der Welt effektiv zum Ausdruck zu kommen, müssen wir uns selbst vereinfachen. Wir müssen den Reichtum der Psyche ’stromlinienförmig’ und prägnant zum Ausdruck bringen.

 

Diese Form stellt vielleicht nur ein blasses Abbild dar, was wir wirklich sind, aber wir haben keine Wahl. Wenn sie auch im Vergleich zu unserem wahren Wesen zweidimensional erscheinen mag - das Leben fordert, dass wir eine Persönlichkeit haben, und Persönlichkeit ist immer die Rolle, die wir spielen, nicht das, was wir wirklich sind. Die Persönlichkeit ist immer eine Maske.”

 

Den meisten Menschen ist dies wahrscheinlich bewusst und sie verschwenden kaum einen Gedanken daran, für mich waren diese Worte, als ich sie zum ersten Mal las, ein großes Aha-Erlebnis. 

 

Zum einen fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass es nicht möglich ist, bzw. immer möglich sein muss, sein Innerstes und seine tollsten, transzendenten Erfahrungen auf der Zunge zu tragen, und zum anderen, dass man sogar eine Maske tragen muss. Das dies nicht als feige und falsch, arrogant oder aggressiv gilt, hat mich regelrecht aus den Socken gehauen. Um ehrlich zu sein, war es eine große Erleichterung, denn ich war fast bereit, eher niemand zu sein und irgendwie so durch die Welt zu kommen, als jemand vorzugeben zu sein, der ich nicht im tiefsten Inneren wirklich war.

                 I'd rather be nowhere than in the wrong place.

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I'd rather be nowhere than in the wrong place. // ⚡ photo: @mieke_finja

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Mittlerweile sehe ich deutlich, dass bei diesem Denken eindeutig Balance fehlt. Ich habe verstanden, dass ich nicht immer verstanden werden muss. Dass dich im Endeffekt sowieso niemand wirklich versteht. Alles, was man sagt, wird von dem Zuhörer durch seinen eigenen Erfahrungsschatz gefiltert und so verstanden. Also rein konkret gesehen, versteht dich niemand so richtig wirklich richtig. Außerdem ist es nicht möglich, etwas so Tiefes jedem Menschen zu erklären und zu verlangen, dass es verstanden wird. Ich glaube, wenn man so etwas findet, ist das etwas ganz Besonderes und nur für die besten Freundschaften und stärksten Verbindungen reserviert. Natürlich war mir dies nicht bewusst, weil mich die Erfahrung so mitgenommen hat und ich sie als so wesentlich empfand, dass ich sie mit jedem Menschen teilen wollte und wollte, dass jeder Mensch auch so etwas erfährt. 

 

Mittlerweile bin ich etwas entspannter. Natürlich ist es mir immer noch eine Herzensangelegenheit, dass Menschen diesem näher kommen, aber mir ist bewusst, dass solche Erfahrungen nicht das einzig Wichtige im Leben sind, und vor allen Dingen, dass das Leben so nicht funktioniert.

 

Das Leben, unsere Gesellschaft funktioniert dank unserer Fähigkeit, unsere Wesen in der Öffentlichkeit prägnant zum Ausdruck zu bringen, sodass wir ein wirkungsvoller Teil des Ganzen sind und das Ganze somit funktioniert. 

 

Aber was ist, wenn wir uns mehr Zeit nehmen zu entscheiden, welches Ego wir an den Tag legen wollen?

 

Was ist, wenn wir erkennen, dass wir die Wahl haben? Wenn wir merken, dass wir nicht Opfer unserer Vergangenheit sind, sondern stets frei wählen können, wer wir sein möchten? Dass ein Ego nichts Festgefahrenes, von Geburt gegebenes, Schweres, Schlechtes ist, sondern etwas Wertvolles und Überlebensnotwendiges, dessen Gestaltung wir in der Hand haben?

 

Was ist, wenn das Ego unsere Möglichkeit ist, unser Innerstes zum Ausdruck zu bringen? Was ist, wenn ein Ego einzig und allein diesem Zwecke dient? Sollten wir dann nicht viel eher daran interessiert sein, unser Innerstes kennenzulernen als eine falsche Maske zu polieren? 

 

Ja, es ist verdammt hart, aber was ist, wenn wir wissen, dass wir die Möglichkeit haben? Wenn wir alle realisieren, wie wichtig ein Ego für unsere Gesellschaft ist und wenn wir alle vor allem realisieren, dass es ein Weg zum richtigen Ego ist, ein Prozess, der dauert. Wenn wir realisieren, dass ein Ego nichts mit dicken Uhren, rotem Trump Kopf oder viel Geld zu tun hat, sondern mit Selbsterkenntnis, Selbstwert, Mut und Schönheit? Wären wir dann viel eher gewillt, entweder falsche Masken loszulassen oder aufzuhören uns hinter falschen, zu kleinen Masken uneffektiverweise zu verstecken? 

 

Wäre das nicht viel besser als in der Öffentlichkeit so zu tun, als hätten wir alles im Griff und würden das daher auch immer von anderen erwarten? Würde das nicht den Druck nehmen und uns mehr Zeit und Freiraum geben, uns mehr auf die Suche nach unserem wahren Selbst zu machen, bevor wir irgendeine Maske annehmen?

 

Würden wir uns nicht so weg von einer Konsumgesellschaft zu einer fortschrittlichen Gesellschaft entwickeln, die merkt, dass es sinnlos ist, Dinge zu kaufen, bevor wir überhaupt unsere wahre Größe kennen? 

 

Würden wir so nicht insgesamt mehr Spaß, materielle Befriedigung und Erfüllung erfahren und gleichzeitig den Planeten schonen?

 

Ja, wir müssen funktionieren, aber ich bin der Meinung, dass wir uns mehr Zeit lassen sollten, richtig zu funktionieren. Ich denke, dass wir dann nicht nur selbst besser funktionieren, sondern auch unsere gesamte Gesellschaft. Wir mit richtigem Ego präsentieren die passenden Bausteine für eine effektive und ganzheitlich funktionierende Gesellschaft. Die Lösungen für die Probleme unserer Gesellschaft im Außen zu suchen, ist, wie wir langsam aber sicher immer deutlicher merken, nicht nachhaltig genug möglich. Aber was ist, wenn die Lösungen zu den Problemen unserer Gesellschaft nicht außerhalb von uns liegen, sondern in der Komplexität eines jeden einzelnen, der es geschafft hat, diese individuelle Komplexität in ein passendes Ego zu kanalisieren und so einen gezielten und wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten kann? Macht es dann nicht mehr Sinn denn je, unser Ego als etwas Kostbares zu sehen, bei dessen Entstehung wir uns Zeit lassen sollten?

Darth Vader hat bestimmt auch lange gebraucht, um sich für seinen Aufzug zu entscheiden, schließlich musste er nicht nur seine Stadt, sondern eine ganze Galaxis beeindrucken und beeinflussen.

 

Um so auf die Sterne überzuleiten, die Astrologie bietet bei diesem komplexen Thema Schwarz-auf-Weiß-Einsichten, die man einfach ablesen kann. Wie, erkläre ich hier.

 

In der Astrologie gibt der sogenannte Aszendent Auskunft über unser Ego.

 

Lassen wir Steven Forrest wieder zu Wort:

 

“Der Aszendent stellt die Maske dar, die soziale Identität, hinter der wir uns verstecken und durch die wir den Rest des Horoskops zum Ausdruck bringen."

 

Um das Ganze zu veranschaulichen, blicken wir auf mein Horoskop.

 

Man schaut zu allererst in welchem Tierkreiszeichen sich sein Aszendent befindet. Der Aszendent befindet sich in jedem Horoskop links in der Mitte. In meinem Fall befindet sich der Aszendent im Tierkreiszeichen Löwe.

Wir schauen nach, was es bedeutet den Aszendenten im Löwen zu haben:

(Hajo Banzhaf, Anna Haebler — Schlüsselworte zur Astrologie)

[Hierbei ist gleich schon zu sagen, dass das Horoskop immer ganzheitlich zu betrachten ist. Die obigen Aussagen zum Löwe Aszendenten treffen also nur bedingt, in Relation zum gesamten Horoskop, zu. Desweiteren ist zu beachten, dass ein Horoskop nicht unbedingt Aussagen darüber macht, wie ein Mensch wirklich ist. Es zeigt vielmehr, wie ein Mensch sich optimal nach seinen Anlagen und Fähigkeiten entwickeln kann.]

 

Wie Steven Forrest bereits erwähnte, geht es beim Aszendenten um die soziale Identität, hinter der wir uns verstecken und durch die wir den Rest des Horoskops zum Ausdruck bringen. Eine weitere wichtige Rolle spielt der sogenannte Herrscher des Aszendenten.

 

Steven Forrest sagt:


"Der Herrscher des Aszendenten führt diesen Prozess der Zentrierung noch eine Stufe weiter. Stelle ihn dir als den Botschafter des Aszendenten vor, der in einen anderen Teil des Horoskops versetzt wurde, aber immer noch in dessen Dienst steht. Wo auch immer der Aszendenten-Herrscher zu finden sein mag, seine Aktivität spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Gefühls, eine eigenständige, sich von anderen abhebende Persönlichkeit zu sein. Der Planet hilft dem Menschen, sich selbst zu definieren.” 

 

Wie wir bereits herausgefunden haben, befindet sich mein Aszendent im Tierkreiszeichen Löwe. Jetzt schauen wir, welcher Planet das Tierkreiszeichen Löwe beherrscht.

 

Wir sehen, dass die Sonne den Löwen beherrscht:


Wir stellen weiterhin fest, dass sich der Planet Sonne in meinem Fall im Tierkreiszeichen Krebs im 11. Haus befindet.

 

Was bedeutet das also?

 

Es bedeutet, dass ich mich am meisten wie eine eigenständige Person fühle, wenn ich mit Löwe-Maske Themen des 11. Hauses im Krebs-Style zum Ausdruck bringe. 

 

Dazu müssen wir wissen, was das 11. Haus für eine Bedeutung hat und mit was für einer Energie das Tierkreiszeichen Krebs auf das 11. Haus einwirkt.

(Hajo Banzhaf, Anna Haebler—Schlüsselworte zur Astrologie)

Und das 11. Haus:

(Hajo Banzhaf, Anna Haebler—Schlüsselworte zur Astrologie)

Dass mein Aszendent (kurz AC) im Löwen steht und dessen Herrscher, die Sonne, bei mir im Krebs im 11. Haus steht, bedeutet also, dass ich mich am meisten wie eine eigenständige, sich von anderen abgrenzende Persönlichkeit fühle, wenn ich humanitäre Ziele (11. Haus) auf emotionale Weise (Krebs) selbstbewusst zum

Ausdruck bringe (Löwe).

 

Ich lasse diesen Satz so einfach stehen, um das Prinzip der Vorgehensweise möglichst deutlich zu machen. 

 

Auch, wenn der Satz etwas schräg klingt, hätte ich nichts dagegen, von der Welt so definiert zu werden. Ich würde mich absolut verstanden fühlen. Das ist das Ego, mit dem ich mich im Einklang fühle und bei dem mein Innerstes zufrieden nickt. 

 

[Da noch andere Planeten, um genau zu sein, Venus, Mars und Jupiter an meinem Aszendent liegen, haben diese auch noch einmal einen Einfluss auf das Ganze. Also, wenn bei dir direkt Planeten am Aszendenten liegen, ist deren Einfluss auf gar keinen Fall zu ignorieren und es lohnt sich, die Energien der betroffenen Planeten kennenzulernen.]

 

Um deinen eigenen Aszendenten zu finden, musst du deine Geburtsdaten bereit haben: Geburtsdatum, Geburtsuhrzeit und Geburtsort. 

 

Hier kannst du dein Horoskop erstellen und daraus entnimmst du in welchem Tierkreiszeichen dein Aszendent steht: *

 

http://www.astroschmid.ch/zodiak.htm

 

Kurz und knackig findest du hier die Bedeutung der verschiedenen Aszendenten, ihren jeweiligen Herrschern in den jeweiligen Häusern:

 

http://www.astroschmid.ch/astrowissen/aszendent_in_den_zeichen.php

 

Wenn du genauer nachsehen willst und du wissen möchtest, welche Energie auf das jeweilige Haus wirkt, in dem sich der Aszendenten Herrscher befindet, erhälst hier detaillierte Informationen über die Tierkreiszeichen:

  

http://www.astroschmid.ch/astrowissen/Tierkreiszeichen.php

 

Hier findest du Informationen zu den Häusern und welche Lebensbereiche diese betreffen:

 

http://astroschmid.ch/astrowissen/haeusersys.php#h1

 

 

* Denk daran, dass ein Horoskop immer ganzheitlich betrachtet werden muss. Obwohl du jetzt Informationen über dein Ego herausfinden kannst, leg nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Der Rest deines Horoskops spielt definitiv eine große Rolle bei der Definition deines Egos. Menschen sind eben komplex.

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